Interdisziplinäres Projekt: Alternative Standards - Handlungsoptionen jenseits der Regeln in Hamburg-Lurup

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Stadtgebiete wie Lurup sind geprägt durch Wohnbauten und diese ergänzende Einrichtungen, die in heterogenen Feldern und dabei gleichzeitig sehr allgemeinen Regeln folgend errichtet wurden. Wie auch andere Stadtteile am Rand der Entwicklungsschwerpunkte Hamburgs, steht Lurup heute vor der Frage wie und wo Transformationen vorgenommen werden können, um existierende Wohnsituationen qualitativ für alle Bewohner*innen zu verbessern und sich weiterhin zu öffnen für neue Programme und Wohnmodelle, die bestehende Strukturen ergänzen und verdichten. Dazu bedarf es nicht nur der Auseinandersetzung mit den konstituierenden Standards und Typologien sondern insbesondere auch mit Alltagspraktiken und Formen des Gebrauchs, die Motoren für zukünftige Transformationen sein können. Wie kann ein enges Gerüst von Zuweisungen aufgebrochen werden, um Relationen offenzulegen und produktiv wirksam neu zu versammeln?

In einer gemeinsamen Feldforschung werden spezifische urbane Situationen untersucht und potentielle Motive herausgearbeitet, die den Ausgangspunkt für differenzierte Projektentwicklungen und Entwürfe bilden. Die Fragen an Architektur und Stadt entstehen aus der Arbeit vor und der Haltung zum Ort. Es geht hier ganz grundlegend um Neuinterpretationen, Handlungen und Verhandlungen, die sozial und strukturell, stadträumlich und architektonisch erweiterte Qualitäten hervorbringen und ganz konkret um ergänzende Neubauten, Um-, An- und Ausbauten von Bestandsgebäuden und die Wohnung erweiternde Freiräume und Begegnungsräume - alternative Formen des Wohnens und Arbeitens in der Stadt.

Im Rahmen des interdisziplinären Projekts (Urban Design und Architektur + Stadt) werden die Entwürfe in interdisziplinären Teams (max. 4 Studierende) und im Rahmen der Bachelorthesis in monodisziplinären Teams (max. 2 Studierende) entwickelt. Wir freuen uns insbesondere über die Beteiligung Studierender der Partneruniversitäten und Austauschprogramme. Alternative Standards entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Altona, deren Vertreter als Gastkritiker an den Kolloquien und Präsentationen teilnehmen werden.

Handlungsoptionen in Hamburg-Lurup

Mit der Weiterentwicklung des Desy Zentrums zur Science City in Bahrenfeld, Oberbillwerder in Bergedorf und der Entwicklung des kleinen Grasbrooks in der HafenCity befinden sich neue Stadtquartiere, an politisch ausgewählten und klar umgrenzten Standorten, in Planung. Die an diese neuen Stadtquartiere angrenzenden, aber im Verfahren weniger berücksichtigten, bestehenden Gebiete geraten dabei unter Handlungsdruck. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Nachfrage nach städtischem und bezahlbarem Wohnraum (urban, ökologisch, ökonomisch und sozial), wächst der Druck der Verdichtung auch in Bestandsgebieten jenseits der neuen, bekannten oder beliebten Zentren. Diese Gebiete weisen oftmals ein Patchwork an Gebäude- und Freiraumtypologien vergangener städtebaulicher Leitbilder auf, die sich als ein Neben-, und Ineinandergreifen verschiedener Siedlungsstrukturen mit ihren jeweiligen Regelwerken, Eigentümerschaften und Nutzungen, sowie dem Gebrauch durch die Bewohner*innen manifestieren.

Lurup, nördlich der geplanten Science City, ist beispielhaft für diese Gefüge unterschiedlicher Nachkriegsbebauungen, bestehend aus Schrebergärten, Einfamilienhäusern, Zeilenbauten, Punkthäusern und Großstrukturen, dazwischen vereinzelt Gebäude der überformten Dorfstruktur, ergänzt durch Wohnungsneubau und kleine Stadtteilzentren mit sozialen und infrastrukturellen Angeboten. Diese, ehemals vorrangig als Wohnsiedlungen ausgewiesenen Gebiete, stehen aktuell vor der Herausforderung ihren bestehenden Gebäude-, und Nutzungsbestand zu sanieren, zu ergänzen und hinblicklich aktueller Bedarfe zu transformieren. Wir gehen dabei den Fragen nach: Welche (Standard-) Strukturen (Eigentümerschaften, Regelwerke, Konstruktionen, Wohnungstypologien) und Relationen (Alltagspraktiken, soziale Bindungen) liegen den gegenwärtigen Möglichkeiten und Wohnrealitäten der Bewohner*innen zu Grunde? Wie können diese im Sinne eines learning from oder learning with bzw. auch im Sinn eines unlearning projektiv und produktiv ausgedehnt, ergänzt, verändert werden?

Welche Potentiale bestehen, die Qualität der Wohnungen zu verbessern? Wie können gemeinschaftliche Räume die Wohnung ergänzen und öffentliche Räume anders genutzt beziehungsweise neu eingerichtet werden? Wie kann der Stadtteil strukturell und programmatisch verdichtet werden? Diese Fragen sind hier durchaus radikal zu beantworten - ganz sicher bedarf es neuer Verknüpfungen, Denkweisen und Ansätze um sich von festgefahrenen und mangelhaften Bedingungen lösen zu können. Insofern meint Alternative Standards die Entwicklung differenzierter Strategien und prototypischer Modelle, die ein zeitgemäßes urbanes Zusammenleben initiieren können.

Über eine methodische Untersuchung des Projektgebiets werden zunächst spezifische Situationen und Potentiale lokalisiert. Die herausgearbeiteten Motive und Haltungen zu den jeweils beschrieben Problemstellungen werden dann über ein Exposé in die Projektentwicklung überführt - jedes Team erarbeitet sich selbst ein Thema und eine Aufgabenstellung. Die aus den Untersuchungen zu entwickelnden Projekte können dabei als Umnutzungen, An- und Ergänzungsbauten von Bestandsstrukturen oder als Neubauten entwurflich umgesetzt werden. Auf der Basis dieser umfänglichen Herangehensweise - die konkrete Fragen generiert und entsprechend soziale, ökonomische, programmatische, räumliche und konstruktive Ansätze formuliert und ausarbeitet - entstehen im Verlauf des Semesters spezifische und komplexe Entwurfsprojekte, die die Potentiale für eine konsequente Weiterentwicklung der Stadt, ihrer bestehenden Strukturen und zukünftigen Bedürfnisse aufzeigen können.

Information

Kick-off: 04.04.2019 14:15

Donnerstags von 14:15 - 17:45 Uhr, UEB-3.102 / Projektraum II

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